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Historie

Die Ära Schulenburg in Tressow

Das Geschlecht von der Schulenburg wird erstmals mit dem Familienvertreter Wernerus de Sculenburch in einem Dokument vom 28. Oktober 1237 erwähnt. Der Feldmarschall der Republik Venedig, Matthias Johann von der Schulenburg (1661-1747), der vom Kaiser Karl VI (1685-1740) 1715 in den Grafenstand des Heiligen Römischen Reiches erhoben wurde, gelangte im Laufe seines Lebens zu Wohlstand. Das Vermögen erbte Christian Günther von der Schulenburg, Hofkavalier von Hannover, und verwendete es unter anderem, um 1751 die Güter Groß Krankow, Petersdorf, Köchelsdorf und Tressow in Mecklenburg aus der Konkursmasse des Rittmeisters Hans Caspar von Plessen zu erwerben. Reste der Plessenburg können noch heute im Wald beim Schloss Tressow besichtigt werden. Der aufwendige Lebensstil von Christian Günther brachte die Güter in finanzielle Schieflage, die auch bei den nachfolgenden Generationen fortbestand.

Erst Werner von der Schulenburg (1832-1880), der das Anwesen 1847 erbte und zu diesem Zeitpunkt noch minderjährig war, gelang es die Güter so erfolgreich zu führen, dass die übernommenen Schulden deutlich verringert werden konnten. In den Jahren 1862-1865 ließ er südlich des Tressower Sees, auf einer Anhöhe, das spätklassizistische Herrenhaus Schloss Tressow erbauen. Architekt war der Schweriner Hofbaumeister Daniel, ein später Schinkelschüler, der kurz zuvor als Bauführer beim Schweriner Schlossbau seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt hatte. Hierbei wurde die Lage des Hauses so gewählt, dass es auf der Längsachse des Sees lag, so dass eine beeindruckende Blickachse vom Haus durch den Park über die volle Länge des Sees entstand. Neben dem Herrenhaus wurde ein stattlicher Marstall nach Vorbild des Schweriner Großherzoglichen Marstalls errichtet.

Historische Ansicht Quelle:13.3-1 Mencke & Co., Hamburg - Wandsbek (Mecklenburgische Herrenhäuser ca. 1880 - 1890), Nr. 1092

Tressow wurde somit zum Mittelpunkt des damals knapp 3.000 ha umfassenden Besitzes. Zu dieser Zeit gehörte das Geschlecht von der Schulenburg zu den Begütertsten in Preußen. Kurz vor Werner von der Schulenburgs Tod verstarb 1879 sein ältester Sohn bei einem Jagdunfall in Tressow, so dass der zweitälteste Friedrich (1865-1939) den Besitz erbte und jahrzehntelang führte. Er war ein glühender Anhänger der Monarchie und versuchte, Kaiser Wilhelm II 1918 von seiner bevorstehenden Abdankung abzuhalten. Er litt sehr unter dem Ende der Monarchie und zog sich nach Tressow zurück, um seine Güter zu bewirtschaften.

1929 übertrug er den Besitz seinem ältesten Sohn, um sich fortan wieder der Politik zu widmen. Das Gut Bobitz wurde verkauft, um die vier jüngeren Brüder abzufinden. Im Hause entwickelte sich eine lebhafte politische Kultur mit zahlreichen Besuchern, wie z.B. dem ehemaligen deutschen Kronprinzen. Nach dem Empfinden von Friedrichs einziger Tochter Tisa (1903-2001), eigentlich Elisabeth von der Schulenburg, entwickelte sich Tressow zu einer Hochschule für Politik. Hierbei standen vor allem die Ursachen zum Niedergang der Monarchie im Mittelpunkt.

Fritz Dietlof von der Schulenburg (1902-1944)

Der Nationalsozialismus fand in der Familie zunächst großen Anklang. Am 23.Mai 1939 verstarb Friedrich von der Schulenburg. Aus diesem Anlass fand ein Staatsakt im Lustgarten zu Potsdam statt. Zu seiner Beerdigung in Tressow erschien Heinrich Himmler persönlich. Fritz Dietlof von der Schulenburg (1902-1944), vierter Sohn Friedrichs, und seine Schwester Tisa distanzierten sich jedoch mit der Zeit von dem Regime. Fritz Dietlof gehörte zum inneren Kreis der Widerstandskämpfer und war somit aktiv an der Planung der Operation Walküre beteiligt. Nach dem erfolgreichen Umsturz sollte er Reichsinnenminister werden. Am 10. August 1944 stand er nach dem gescheiterten Attentat mit Erich Fellgiebel, Berthold Schenk Graf von Stauffenberg, Alfred Kranzfelder und Georg Hansen vor dem Volksgerichtshof unter dem Vorsitz von Roland Freisler. In seinem Schlusswort nach dem Todesurteil erklärte er:


Wir haben diese Tat auf uns genommen, um Deutschland vor einem namenlosen Elend zu bewahren. Ich bin mir klar, dass ich daraufhin gehängt werde, bereue meine Tat aber nicht und hoffe, dass sie ein anderer in einem glücklicheren Moment durchführen wird. SCHULENBURG


Fritz Dietlof Graf von der Schulenburg wurde noch am Tag des Urteils in Plötzensee gehängt. Keiner der fünf Söhne Friedrichs überlebte den Krieg. Am 30. Juni 1945 verließ die Ehefrau des letzten Eigentümers Johan Albrecht von der Schulenburg mit ihren 7 Kindern, als letzte Vertreterin der Familie, das Schloss Tressow Richtung Westen. Nur kurz bevor Westmecklenburg von den Engländern an die Rote Armee übergeben wurde. Im Herrenhaus wurde geplündert und Umsiedler wurden einquartiert. Im Herbst 1945 wurde die Familie durch die Bodenreform auch förmlich enteignet.

Historische Ansicht Quelle:13.3-1 Mencke & Co., Hamburg - Wandsbek (Mecklenburgische Herrenhäuser ca. 1880 - 1890), Nr. 1092

Nach 1945

Nachdem die Umsiedler allmählich weggezogen waren, wurde im Schloss eine Schule eingerichtet, die später in eine Förderschule für lernschwache Kinder umgewandelt wurde. Zu Vorwende-Zeiten trug die Einrichtung den Namen der kommunistischen Widerstandskämpferin Katja Niederkirchner aus Berlin. 1991 besann man sich des Nazi-Regime-Gegners aus dem eigenen Ort, dessen Andenken von einigen Tressowern über die DDR-Zeit hinaus bewahrt wurde, und die Schule wurde in Fritz-Dietlof von der Schulenburg umbenannt.

In den 80er Jahren erhielt die Schule neue Räumlichkeiten in Tressow, das Herrenhaus wurde nicht mehr benötigt und stand daraufhin leer, wurde vernachlässigt und verfiel. Durch den Leerstand gingen Teile der ursprünglich sehr gut erhaltenen Ausstattung wie Marmorkamine, Kassetten- und Stuckdecken, Holzvertäfelungen und die aufwendig gestalteten Fußböden verloren. Zum Schuljahr 1999/2000 ist die Schule von Tressow nach Neukloster umgezogen, wo sie weiterhin den Namen des Widerstandskämpfers trägt. Eine Gedenktafel, geschaffen von der inzwischen verstorbenen Schwester und Künstlerin Tisa von der Schulenburg, ziert das Schulgebäude in Neukloster. Nach der Wende veranlasste die Gemeinde die Erneuerung des Daches, und das Schloss wurde in private Hand verkauft. Die neuen Eigentümer begannen im Jahre 2000 mit der Sanierung des Gebäudes, nachdem sie auch den Marstall, der sich zunächst noch im Eigentum der Gemeinde befand, hinzuerwerben konnten. Da sich das ursprünglich angedachte Nutzungskonzept überholt hatte, wurde das Anwesen an den jetzigen Eigentümer veräußert, der die Sanierung unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten fortsetzt.